Silikonfuge in der Dusche erneuern — Anleitung
Brüchige oder schimmelige Silikonfuge? Erneuern kostet unter 15 € und dauert eine Stunde. Schritt für Schritt.
Silikonfuge erneuern klingt nach einem Nachmittags-Projekt. Ist es auch — wenn man die Trockenzeit nicht mitzählt. Wer aber am Tag drei wieder duscht, ohne die Fuge ordentlich aushärten zu lassen, hat in drei Wochen erneut eine undichte Stelle. Die Reparatur funktioniert über fünf Tage, nicht über einen Nachmittag. Hier dein Tag-für-Tag-Plan.
Tag 0 — Vorbereitung (am Vortag, 20 Minuten)
Heute wird noch nicht gearbeitet. Heute wird besorgt.
Du brauchst genau diese Sachen: ein Cuttermesser oder einen Fugenkratzer, eine Tube Sanitär-Silikon (nicht Bau-Silikon!), Kreppband, Mikrofasertücher, Spiritus zum Entfetten, ein Glättwerkzeug oder Spülmittel-Finger. Plus eine Tube Reserve-Silikon — schlimmer als ein angefangenes Projekt ist eines, das auf halbem Weg an Materialknappheit scheitert.
Die Auswahl der Silikon-Marke ist nicht egal. Schimmelresistentes Sanitär-Silikon ist Pflicht. OTTOSEAL S100 ist der Profi-Standard, Sika Sikasil C eine günstige Alternative. Beide halten fünf bis acht Jahre ohne Vergilbung. Beim Baumarkt aufpassen — manche der "Bad-Silikone" für drei Euro sind in Wahrheit minderwertig und gilben nach einem Jahr.
Tag 1 — Entfernen (30 Minuten)
Bevor die neue Fuge rein kann, muss die alte raus. Komplett raus.
Setze das Cuttermesser parallel zur Fuge an, schneide einmal links, einmal rechts vom Silikon-Strang. Jetzt zieht sich der Strang oft als ein Stück heraus — wie ein langer Gummiwurm. Reste, die haften bleiben, kratzt du mit dem Fugenkratzer ab.
Wichtiger Hinweis: lasse keinen Mikrometer altes Silikon zurück. Neues Silikon haftet kaum auf altem — selbst die unsichtbaren Reste reichen, dass die neue Fuge sich nach zwei Monaten an genau dieser Stelle wieder ablöst. Wenn nötig, zehn Minuten extra investieren.
Anschließend den Fugenraum mit Spiritus auswischen. Das entfernt Reste und entfettet die Oberfläche. Vollständig trocknen lassen.
Tag 2 — Vorbereiten und Setzen (45 Minuten)
Hier kommt die Disziplin.
Klebe Kreppband links und rechts der zu setzenden Fuge auf — etwa zwei bis drei Millimeter Abstand zwischen den beiden Bändern. Das Kreppband sorgt für eine saubere Kante. Wer ohne arbeitet, hat eine wellige, unsaubere Fuge.
Die Silikon-Tube ansetzen, einen gleichmäßigen Strang ziehen. Ein Strang in einem Zug, nicht zwei kleine, die dann zusammenstoßen sollen. Wenn die Hand zittert: erst mal an einem Stück Karton üben.
Sofort glätten — mit dem Glättwerkzeug oder, klassisch, mit einem in Spülmittel-Wasser getauchten Finger. Spülmittel verhindert, dass Silikon am Finger haften bleibt. Glättbewegung ist in einer Richtung, nicht hin und her.
Sobald das Silikon geglättet ist, ziehst du das Kreppband ab — solange das Silikon noch nass ist. Wartest du, bis es leicht antrocknet, reißt das Band den frischen Strang ab.
Tag 3 und 4 — Trockenzeit (du machst nichts)
Die zwei wichtigsten Tage in der gesamten Reparatur. Du tust nichts.
In dieser Zeit härtet das Silikon durch, vernetzt sich chemisch und entwickelt seine endgültige Festigkeit. Bei normaler Raumtemperatur und üblicher Luftfeuchte braucht das vierundzwanzig bis sechsunddreißig Stunden, bei kühlem Bad oder dichter Witterung kann es länger dauern.
Was du nicht tun darfst: duschen, das Bad fluten, Wasser an die frische Fuge bekommen. Schon ein kurzes Spritzwasser kann die noch nicht ausgehärtete Oberfläche permanent uneben machen. Wer ein zweites Bad hat, nutzt das. Wer keins hat, plant das Wochenende.
Tag 5 — Erste Nutzung (gewonnen)
Jetzt ist die Fuge stabil. Vorsichtig duschen, beobachten — bleibt sie an der Wand? Glättet das Wasser sich gleichmäßig drüber, ohne Tröpfchen-Anhäufung? Wenn ja, hast du es geschafft.
In den nächsten zwei Wochen achte auf ungewöhnliche Verfärbungen oder Risse. Das ist selten, kann aber bei sehr alten oder schlecht haftenden Untergründen vorkommen. Falls es passiert, war wahrscheinlich der Untergrund nicht ideal vorbereitet — dann zurück zu Tag 1.
Was häufig falsch gemacht wird
Drei klassische Fehler ruinieren jede dritte selbst gemachte Fugen-Reparatur.
Erstens: zu früh duschen. Wer schon am Tag zwei wieder unter die Brause geht, weil "es sich ja trocken anfühlt", hat in drei Monaten den nächsten Schaden.
Zweitens: zu viel Silikon. Mehr ist nicht besser. Eine schmale, saubere Fuge dichtet besser als ein dicker Wulst, der sich an den Rändern wegen des Eigengewichts ablöst.
Drittens: falsches Silikon. Bau-Silikon ist nicht gegen Schimmel formuliert. In sechs Monaten hast du schwarze Punkte, in zwölf Monaten musst du alles wieder rausreißen.
Wer diese drei Punkte beachtet und sich an die fünf Tage hält, hat eine Fuge, die acht Jahre dichtet.
→ Diagnose: Wasser läuft raus → Silikonfuge gelb — was tun? → Spezial-Werkzeug für Bad-Reparaturen
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